Umkehrstab Trading Strategie
Nachfolgend beschreibe ich meine derzeitige Trading-Strategie im Detail, die im wesentlichen auf den Grundlagen der Markttechnik beruht. Von den verschiedenen Möglichkeiten des markttechnisch orientierten Tradings, kommt jedoch lediglich ein einziger Ansatz zur Anwendung.
Wer mehr über die Grundlagen der Markttechnik erfahren möchte, dem sei “Das große Buch der Markttechnik” von Michael Voigt empfohlen, das mich zu dieser Strategie inspiriert hat.
Definition Umkehrstab …
Ein Umkehrstab bezeichnet ein Muster in einem Kerzen-Chart, welches zustande kommt, wenn der Kurs zunächst das Hoch oder Tief der vorangegangenen Kerze passiert – dann aber umkehrt, um in die entgegengesetzte Richtung zu schließen. Ein Umkehrstab ist dabei nicht zwangsläufig ein Doji, dessen Eröffnungs- und Schlusskurs nahe beieinander liegen oder gleich sind und dessen Hoch bzw. Tief einen langen Docht hinterläßt.

Umkehrstäbe & Doji
Philosophie …
Umkehrstäbe die innerhalb von Korrekturphasen auftreten, signalisieren sehr oft das Ende der Korrektur und den Beginn einer Bewegungsphase in die Trendrichtung. Sie bieten einen idealen Einstiegspunkt, um mit der entstehenden Bewegung in den Markt zu kommen.
Märkte …
Gehandelt werden folgende Währungspaare:
- AUD/USD (Australischer Dollar vs. US-Dollar)
- EUR/USD (Euro vs. US-Dollar)
- EUR/JPY (Euro vs. Japanischer Yen)
- EUR/GBP (Euro vs. Britisches Pfund)
- GBP/USD (Britisches Pfund vs. US-Dollar)
- USD/CHF (US-Dollar vs. Schweizer Franken)
- USD/JPY (US-Dollar vs. Japanischer Yen)
- USD/CAD (US-Dollar vs. Kanadischer Dollar)
Indikatoren …
Trotz einfacher Regeln ohne viel Spielraum für Interpretationen, werden alle Schritte vom Entry bis zum Exit mehr oder weniger manuell vorgenommen, so dass der Ansatz in letzter Konsequenz diskretionär gehandelt wird. Auch lassen sich alle benötigten Parameter dem Kursverlauf im Chart entnehmen, was schlussendlich den Einsatz von Indikatoren überflüssig macht und daher darauf verzichtet wird.
Zeiteinheit …
Vorzugsweise wird in den höheren Zeiteinheiten, auf Basis des Tages- und 4-Stunden-Charts gehandelt, da Umkehrstäbe in diesen Ebenen eine größere Relevanz besitzen. Je kleiner die Zeiteinheit ist, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Umkehrstäbe eher Zufallsprodukte der volatileren Kursbewegungen sind und demzufolge Fehlsignale generieren könnten.
Setup …
Ein ideales Setup beinhaltet neben einem Umkehrstab, einen intakten Trend in der Korrekturphase. Der Umkehrstab markiert dabei den möglichen Punkt 3 einer 1-2-3-Formation bzw. das Korrekturhoch.
Einstieg …
Behält der Kurs mit der nachfolgenden Kerze die Richtung des Umkehrstabes bei und passiert im weiteren Verlauf dessen Hoch bzw. Tief, gilt das Signal als bestätigt.
Der Einstieg in einen Long-Trade erfolgt daher, sobald das Hoch eines Umkehrstabes überschritten wird. Die entsprechende Order wird 1 bis 2 Pips über dem Hoch platziert.
Der Einstieg in einen Short-Trade erfolgt demzufolge, sobald das Tief eines Umkehrstabes unterschritten wird. Die entsprechende Order wird 1 bis 2 Pips unter dem Tief platziert.
Initial-Stopp …
Erfolgt wiedererwartend keine Umkehr und der Kurs nimmt seine ursprüngliche Richtung wieder auf, ist der Umkehrstab als Fehlsignal zu deuten, sobald dessen Hoch bzw. Tief in die Gegenrichtung passiert wird.
Der anfängliche Stopp für einen Long-Trade, wird daher 1 bis 2 Pips unter dem Tief des Umkehrstabes platziert.
Der anfängliche Stopp für einen Short-Trade, entsprechend 1 bis 2 Pips über dem Hoch.
Exit …
Ziel des Trades ist es, die Bewegung so weit wie möglich zu handeln. Statt eines Kurszieles wird daher ein Trailing-Stopp verwendet, indem der Stopp mit jeder abgeschlossenen Kerze auf das jeweilige Hoch bzw. Tief nachgezogen wird.
Das Nachziehen des Stopps wird jedoch ausgesetzt, sollte es sich bei der abgeschlossenen Kerze um einen sog. Innenstab handeln.
Ein Innenstab liegt vor, wenn sich Eröffnungs- und Schlusskurs innerhalb der Handelsspanne der vorangegangenen Kerze befinden. Diese vorangegangene Kerze ist dann entsprechend der Außenstab. An diesem Außenstab verbleibt der Stopp, bis ein Schlusskurs außerhalb dessen Handelsspanne gelingt.
Für den Exit gibt es also zwei mögliche Szenarien: Den Initial-Stopp und den Trailing-Stopp.
Money Management und Positionsgrößen …
Mit dem Initial Stopp wird pro Trade ein fester Prozentsatz (aktuell 0,5%) vom Gesamtkapital riskiert, welcher dann – nach Van K. Tharp – 1R entspricht (Risiko-Betrag).
Die Positionsgröße ist demnach von der Distanz zwischen Einstiegs-Kurs und Initial-Stopp abhängig. Je größer diese Distanz ist, je kleiner fällt die Positionsgröße aus – und entsprechend umgekehrt
Angestrebt wird eine Return-to-Risk-Ratio (RRR) von mindestens 2:1 pro Trade. Bei einem anfänglichen Risiko von 0,5 % (1R) des Gesamtkapitals, entspricht das einem Gewinn von 1% (2R) auf`s Konto.

Hier bloggt Frank aus Frankfurt am Main. Neben technischen Chartanalysen, teile ich meine persönlichen Trading Erfahrungen ...





Hallo,
sehr schöne Beschreibung dieses Ansatzes. Sehr wichtig auch das Money Management inkl. Positionsgrösse. Was nützt einem der Ansatz wenn man nach 3 Fehlsignal pleite ist
Bei dieser Strategie kann es schon ordentlich teuer werden wenn man im 4H oder auf Tagesbasis handelt und ein Fehlsignal produziert wird.
Diesen Anstaz handel ich auch sehr gerne.
Hallo
vielen Dank für die Beschreibung Deiner Tradingstrategie im Ganzen, also mit MM etc.
Etwas ähnliches verfolge ich auch, achte aber noch darauf, dass diese Bars bestätigt werden, z.B. durch einen Fibo-Level, EMA etc., wichtige Punkte im früheren Chartverlauf eben.
Momentan beschränke ich mich auf Daily und Wochencharts, da sie etwas ‘ruhiger’ und verlässlicher sind. Problematisch sind m.M. diese Umkehrstäbe dann, wenn sie relativ klein sind, also weniger als die Hälfte der vorherigen Bar.
Hast Du kleinere Zeiteinheiten schon damit verfolgt?
Hallo Klaus,
ich habe diesen Ansatz auch schon in den kleineren Zeiteinheiten H1 und M15 gehandelt, mußte aber – wie oben beschrieben – viele Fehlsignale in Kauf nehmen. Emotional habe ich das allerdings nicht lange durchgehalten und es schließlich bleiben lassen.
Bestätigte Umkehrstäbe (durch Fibo-Level, EMA, usw.) sind statistisch gesehen möglicherweise im Vorteil. Allerdings kann ich keinem Umkehrstab widerstehen und trade sie daher alle.
Dass es auf die Größe ankommt, kann ich auch nicht bestätigen
…da ich auch darauf nicht so sehr achte und selbst mit relativ kleinen Umkehrstäben schon Top-Trades landen konnte.
Du hast aber definitiv Recht damit, dass sich der Ansatz noch optimieren läßt.
Man muß es halt nur wollen
Hallo Mathias,
danke für Deine Bestätigung und die Verlinkung auf Deiner Website
Hallo Frank,
in einem Deiner Beiträge meintest du, dass du eher ein Swingtrader bist. Ich halte diese Art von Strategie auch für sinnvoll, vor Allem im Devisenhandel. Trotzdem bin ich mir nicht ganz sicher, da ich ich noch dabei bin mir mein System aufzubauen. Kann man allgemein sagen, dass es sinnvoller ist im Devisenhandel nur einen begrenzten Bereich zu traden, weil die Volatilität im Gegensatz zu, beispielsweise Aktien, weniger langfristig vorauschaubar ist?
Andererseits gelten doch hierbei dieselben Regeln der Signale, d.h. dass man ja auch hier davon ausgehen kann, dass sich Trader aufgrund von gemeinsamen Signalen gleich positionieren werden, z.B. bei Bruch eines wichtigen Widerstands bzw. einer Unterstützung.
Finde deinen Blog übrigens sehr anschaulich und infromativ. Weiter so!
Grüße
Hallo David,
Swingtrader bin ich (derzeit) eigentlich weniger weil ich im Devisenmarkt unterwegs bin, sondern vielmehr weil ich in den höheren Zeiteinheiten trade. Ich will damit sagen, dass ich z.B. im Tages-Chart nicht versuchen würde einen ganzen Trend zu handeln. In den kleineren Zeiteinheiten habe ich das aber durchaus schon gemacht. Das ist also eher eine Frage der beabsichtigten Haltedauer und Trading-Frequenz. Davon abgesehen scheint es mir auch effizienter, lediglich die dynamischen Bewegungen zu handeln, ohne die quälenden Korrekturen aussitzen zu müssen.
Charttechnisch gibt es kaum Unterschiede zum Aktienmarkt. Widerstände, Unterstützungen, usw. finden auch im Devisenmarkt besondere Beachtung.
@Frank
Danke für deine Antwort. Ich sehe das ähnlich wie du und kann mir ehrlich gesagt nicht so recht erklären wieso es Trader gibt, die Korrekturen unter dem Vorwand “Gewinne laufen lassen” aussitzen. Wenn jemand eine Korrektur aussitzt, dann bedeutet es ja, dass mit einer anschliessenden Fortsetzung des Verlaufs gerechnet wird. Solange man keine Trendfollowingstrategie verfolgt und der Einstieg knapp unter dem erwartetem Korrekturende liegt, ist es sinnvoller den Gewinn vorher zu realisieren und gegebenfalls nach der Korrektur wieder einzusteigen.
Was die Zeiteinheiten angeht, so kann ich mir gut vorstellen, dass die Candlestickformationen auf Tageschartbasis aussagekräftiger sind als auf 15min Basis, aber fehlt da in Anbetracht der hohen Volatitlität bei manchen Währungspaaren nicht doch etwas an Überblick? Denn Swingtrading auf Tageschartbasis bedeutet ja, dass ein Swing min. 3-x Tage andauert. Oder tradest du dann nur die eine Tageskerze und gehst flat?
“Man muß es halt nur wollen ”
wie wahr
Bin mal gespannt wie sich der Ansatz im Forex gibt. Das ist für mich relatives Neuland, da ich bislang überwiegend Aktien danach gehandelt habe.
Du hast im Chartbild den Trailingstopp eingezeichnet, ist das in MT eine eingebaute Funktion?
Grüße
Klaus
PS: Dein Blog gefällt, ist im RSS-Reader drin
ach ich Dummy, die Charts sind selbsterklärend
@David
Es ist schon manchmal verwirrend mit den verschiedenen Definitionen. Während die einen sich mit der Bezeichnung “Swingtrade” lediglich auf die Haltedauer einer Position beziehen, definieren andere (und auch ich) einen “Swingtrade” als das was es dem Wort nach ist: Das Traden eines “Swings” – also eines Schwungs bzw. einer Bewegung.
Da ich mit meinen Trades eine entstehende Bewegung weitestgehend mitnehmen möchte, folge ich ihr mit dem Trailing-Stopp bis zum bitteren Ende …egal wie lange es dauert
@Klaus
Danke für das Feed-Abo
Den Trailing-Stopp habe ich leider nicht als EA für den MetaTrader.
Ich bin zwar kein Programmierer – aber ich glaube, dass sich die Logik der Stopp-Setzung relativ einfach automatisieren ließe. Möglicherweise gibt es das auch schon. Sobald ich es finde, werde ich es hier posten
Hallo Frank.
Die Korrekte Anwendung der SL-Logik bei dem Handel der Bewegung sagt jedoch folgendes aus: Die Handhabung bzw. das Nachziehen des SL setzt nicht aus, sondern der SL wird bei Ausbilden von Außen/Innenstäben eine Periode zurückversetzt. An deinem Bsp.Bild oben erläutert:
Bei deinem oberen Kästchen wo du die Innenstäbe markiert hast: Hier hätte der SL eben nicht dort belassen sein müssen, sondern er müsste korrekterweise eine Periode, sprich in Höhe des Ini-SL zurückgesetzt werden.
Im zweiten Fall ähnlich: Hier hast du den Außenstab markiert und hast den SL am High dessen liegen lassen. Auch hier müsste nach der SL-Logik dieser eine Periode zurückgenommen werden, was in diesem Bsp. natürlich eine rel. starke Wiederhergabe der der bereits entstandenen Buchgewinne bedeuten würde.
Doch es geht ja um Reproduzierbarkeit und man weiß nie vorher ob der Markt weiter läuft oder nicht. Und ein weiterer Grund des Zurückversetzens ist die Tatsache, das durch das Rauschen welche die Innenstäbe oft zeigen, ein Überschreiten der Grenzen (High und Low) des Außenstabes durchaus geschehen kann, im Anschluss aber der Schlusskurs des Innenstabes wieder in der Range schließt. Um das zu vermeiden, spricht Michael Voigt davon, dass der SL eine Periode zurückversetzt wird.
Viele Grüße
Ich habe mich schon gewundert, warum sich noch niemand darüber “beschwert” hat
Mir ist die SL-Logik aus Michael Voigts Buch durchaus bekannt. Aber ich habe mir erlaubt, entsprechend meinen Erfahrungen und Ansichten, eine Änderung vorzunehmen und den Stopp bei Innenstäben nicht zurückzuversetzen. Das betrifft allerdings nur die höheren Zeitebenen und insbesondere den Tages-Chart.
Bekanntermaßen sind Tages-Hochs und -Tiefs vielbeachtete Unterstützungen bzw. Widerstände, deren Überwindung in vielen Fällen eine nicht unbedeutende Signalwirkung hat. Hinzukommt, dass ich sehr oft Konstellationen vor mir hatte, wo eine Rückversetzung geradezu absurd war und keinen Sinn machte.
Um aber nicht individuell enstscheiden zu müssen und damit wieder Spielraum für Interpretationen zu schaffen, verzichte ich ganz auf die Rückversetzung der Stopps und setze das Nachziehen bei Innenstäben lediglich aus. Die Reproduzierbarkeit ist gerade dadurch aber weiterhin gegeben.
Ah okay. Dann war es also nicht aus “Unwissenheit”, sondern beabsichtigt. Sehr gut. Auch ich habe oftmals mir in den H*** beißen wollen, weil ich den SL zurückgenommen hatte und der Kurs eben in die andere Richtung umgeschlagen ist. Hätte ich in den Fällen den SL, wie du es tust, belassen, hätte ich den einen oder anderen Trade entweder mit mehr Gewinn oder erst gar keinen Verlust (wenn durch das regelkonforme Zurücksetzen der SL in den Verlustbereich gezogen würde) realisieren müssen.
Aber wie so oft, gab es auch andere Verläufe. Wie man es macht, macht man es eh falsch
Wichtig ist, dass man ein Regelwerk hat und dieses vor allem auch befolgt. Die angesprochene Reproduzierbarkeit ist wichtig für nachhaltigen Erfolg, was ja an sich schon schwer genug ist, denn was nützt es einem den einen oder anderen Glückstreffer oder besser gesagt Zufallstreffer zu landen …
Von daher ist es schon völlig okay. Die Markttechnischen Regeln nach Voigt stellen ja kein Dogmen dar.
(Weiterhin) viel Erfolg Frank.
Viele Grüße